Achim Heidemann - Materil stimuliert

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Zeitraum: 
12.09.2014 - 17.10.2014

Am Freitag den 12. September kehrt die Galerie Kunsthof Jena mit der Fortsetzung der Ausstellungsreihe "5 Jahre Kunsthof Jena | 5 Jenaer Künstler | 5 Generationen" aus der Sommerpause zurück. Nachdem Maria Grafft und Klaus Langmann das Verhältnis von Imagination und Bild in künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Kartographieren ausgelotet haben und Waltraud Ehrlich-Schmidt erstmals ihren Medea-Zyklus präsentiert hat, folgt ihnen mit Achim Heidemann ein Urgestein der Jenaer Kunstszene in die Galerie. Mit seinen spontanen Alltagskollagen wird die bereits in den voragegangene Ausstellungen bearbeitete Intertextualität zwischen Bild und Skulptur weiter aufgenommen und mit neuen Materialien und Heidemanns Collagetechnik interpretiert.

Galerie Kunsthof Jena

Materil Stimuliert

Eines ist klar, Achim Heidemanns Arbeitsweise der Assemblage schafft Kunst. Zwar werden die weltlichen Gegenständen vom Künstler ihrer originären Identität entrissen, doch dem Verlust der Aura - wie es Benjamin umschreiben würde  - arbeitet Heidemann entgegen. Er lässt den Dingen nämlich ihre eigene Form und macht diese sogar zur Grundlage seiner „Raumcollagen“. Damit liegen sie ganz im Sinne der reziproken Ready-Mades, nach Duchamp.

Heidemanns Assemblage zeichnet sich vor allem durch ihr Spiel von Nutzen und Unnutzen, dem Spiel mit der Aura aus. Dieses Spiel erschafft sich aus der zum Minimum reduzierten Mimesis der  identifizierbaren Subjekte und der auragenerierenden Gestaltung. Die Aussage Duchamps „Use a Rembrandt as an iron board“ umkehrend bildet Heidemann nicht die Kunst als Alltägliches ab, sondern führt das Alltägliche in der Kunst zusammen. „Vom Tand zur Kunst“ könnte man sagen, wenn der Künstler das sprichwörtliche Bügelbrett, der unbeachteten und alltäglichen Kleinigkeiten, zum Zentrum seiner kreativen neuen Sinngebung erhebt.

Das daraus resultierende Werk bildet eine plastische Oberfläche, die Auge und Geist des Betrachters zur Skepsis mahnen, wobei gleichzeitig dessen Intellekt herausfordert wird.
Dieser muss nämlich die reliefhafte Struktur der „Raumcollagen“ für sich durchdringen:
Im Sujet findet man eine Anhäufung gebrauchsferner, gar unnütz gewordener Güter, die Kunst mimen. Die daran gebundenen Überlegungen dürfen also das Kunstverständnis auf verschiedenen Ebenen stimulieren. „Was ist zu sehen?“, „Wie nah ist es noch an seinem eigentlichen Nutzen?“ und „Wie wirkt das Zusammenspiel der verschieden gegenständlichen Realitäten?“. Die große Frage am Ende der künstlerischen Konfrontation wird folglich sein, welche Realität denn am ehesten der Wahrheit entspräche. Ist es nun die Physis der einzelnen Objekte, gar ihr ehemaliger Nutzen oder die neuentstandene Anwesenheit ideeller Kunst?

Kunsthistorisch und gestalterisch gebildet, versteht sich Heidemann längst auf die spielerische Stimulation der Wahrnehmung. Als avantgardistisch geprägter Lehrmeister konfrontiert der Künstler die Betrachter mit ihrem eigenen Kunstverständnis.
Augenscheinlicher Müll - oder „Materil“, wie es der Künstler liebevoll nennt – als Kunst. „Ist das noch erlaubt?“. Derartige Fragen ordnen Achim Heidemann in den Kontext der unermüdlichen Debatte zur Legitimation von Kunst, wie sie spätestens seit der Moderne allgegenwärtig ist.

Marco Welnowski
 

Am Freitag den 12. September laden wir um 20:00 zur Vernissage der Ausstellung ein.

 

Galerie Kunsthof Jena

Mit freundlicher Unterstützung des Ortsteilrates Jena-Zentrum, Fonds Soziokultur Jena, sowie:

 

Galerie Kunsthof Jena

 

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