Kl. Langmann - MachtOhnMacht

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Zeitraum: 
27.11.2015 - 12.12.2015

„Wenn es die Mitte der Gesellschaft gibt, wer ist das? Du, ich oder die anderen?“

Es ist ein sehr menschliches Dilemma: Wir suchen nach Antworten. Was finden wir zwischen klaustrophobischen Anwandlungen und Schuldgefühlen?
Kl.Langmann wagt immer wieder Neues und lotet hierbei die Grenzen des Bestehenden aus. Als stetiges Leitmotiv verfolgt ihn die Darstellung der Begrenztheit; der Mensch in einem selbstgeschaffenen Gefängnis. Während der Mensch, der ich bin, der du bist, sich immer mehr ausbreitet, wird es immer enger um uns. Wir werden uns selbst zu eng.
Die Angst um den eigenen Raum und die anmaßende Ausbreitung und Vereinnahmung dessen sind Antworten auf die machtvolle Begrenzung des Seins, die uns schier zu erdrücken scheint und dennoch auf ungewisse Zeit Sicherheit gibt. Was Kl.Langmann darzustellen vermag, ist die Dynamik einer natürlichen Entfremdung und patriarchaler Unterwerfung, ein zerstörerisches Spiel zwischen Macht und Ohnmacht, das in seiner Komplexität schwer greifbar ist und bleibt.


Galerie Kunsthof Jena

Als Holz- und Steinbildhauer und als Maler gleichermaßen begreift sich Kl.Langmann zum einen als Demonstrant, alsKünstler, in aller Schlichtheit als Mensch. Hierbei ist er zugleich Ankläger und Angeklagter. Er möchte Verhältnisse sichtbar machen, denen er sich selbst ausgeliefert fühlt und die er –autopoietisch(1)- selbst miterschafft. Er sucht und findet Nischen dazwischen, um zu überleben. Eine davon ist die Kunst. Großzügig und bescheiden erscheint er als Mensch und zugleich beschreibt er sich als kaltschnäuzig und scheu. Kl.Langmann hat bereits viele Facetten des Lebens kennengelernt. Er kennt seine Wunden, hat viel gekämpft.
Bodenständig und als einer, der sein Handwerk beherrscht, begibt sich Kl.Langmann immer wieder aufs Terrain der Abstraktion, fühlt sich immer mehr dort zu Haus, wo ein Blick nicht genügt und Deutungen nicht vorgebbar sind.
Die neue Serie von Bildern sollen erwecken und berühren zugleich. Hier sollen nicht Massengräber und Massenmord an Tieren gezeigt werden. Auf künstlerische Weise soll den Tieren die gestohlene Würde zurückgegeben werden und der Mensch als Figur wird in seiner Enge des Tuns sichtbar gemacht. Hier rückt ein Mensch den Menschen in den Vordergrund, der die Intelligenz der Tiere gern verstehen würde, aber leider nur die Sprache der Menschen spricht. Und was er da hört, lehnt er meist ab. Bleibt der Rückzug in eine eigene Welt und das Finden einer Sprache, die zwischen beiden vermitteln kann. Die nicht nur konfrontieren, sondern in erster Linie eine Berührung, ein Innehalten ermöglichen soll.
Was finden wir zwischen Macht und Ohnmacht? Zwischen Privileg und Unterwerfung?
Erschöpfung? Taumel? Ein Hin-und Hergerissensein? Die Verantwortung und das Aushalten wird hier dennoch niemandem abgenommen.
In einer Belebung porösen vergilbenden Papiers wie auch auf Blindfurniertafeln im größeren Format werden wir aktuelle Werke zu diesem Themenkomplex erstmalig im Kunsthof sehen. In farbintensiven Darstellungen findet sich [Graphiken, Miniaturen, Gemälden] auf gefundenen und recycelten Materialien in der Abstraktion und in der teils verwirrenden Linienführung enorm viel Figürlichkeit. Es lohnt, sich Zeit für einen zweiten und dritten Blick zu nehmen. Die Bildsprache und Figuren geben uns Hinweise auf uns selbst und natürlich auf den, der uns soviel zeigen will und sich selbst so ungern zeigt.
Ein Künstler, der die Aggression meidet und den inneren Frieden sucht; die Ruhe und die Weite. Zugleich muss er den Druck, der auf ihm und in ihm lastet. Denn er spürt: ich bin Opfer und Täter zugleich. Als Mensch. Als Wesen.
(Text: Ulrike Toetzke)
 

1) Autopoiesis oder Autopoiese (altgriechisch αὐτός autos „selbst“ und ποιεῖν poiein „schaffen, bauen“) ist der Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems. In der Biologie stellt das Konzept der Autopoiesis einen Versuch dar, das charakteristische Organisationsmerkmal von Lebewesen oder lebenden Systemen mit den Mitteln der Systemtheorie zu definieren. Der Begriff wurde vom chilenischen Neurobiologen Humberto Maturana geprägt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Autopoiesis)

Zur Vernissage wird George Hecks Vinylperformance "erased label series" an fünf Plattenspielern die bildnerischen Werke akustisch erweitern.