Von Schutz- und Aufwachräumen | Uwe Möller | Tobias Herrmann

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Zeitraum: 
27.03.2015 - 17.04.2015

Die Mitte ist ein beliebter Ort. Ob in Religion, Politik oder Stadtkultur. Wer einen Platz in der Mitte einnehmen kann, der hat einen Standortvorteil. In der Mitte treffen sich die Menschenmassen und Geldmengen. Die Mitte ist sozusagen die Sonnenseite der Gesellschaft. Fernab von ihr, in den Peripherien, Outskirts und Trabantenstädten geht es schon düsterer zu. Dort drohen Radikalisierung, soziale Benachteiligung und seelische Verarmung. Doch strebt alles zur Mitte hin? Nein, mitnichten. Parallelgesellschaften gründen sich in den schattigen Gebieten, autonome Gebiete, die mit dem Gesellschaftsvertrag brechen wollen, so künden zumindest die Stereotypen. Doch was macht den Gesellschaftsvertrag aus? Da stehen die drei Leitworte der französischen Revolution noch immer als Leitmotiv der demokratischen Gesellschaft „Liberté, Egalité, Fraternité“, ins Deutsche, mit leichten Änderungen versehen, übersetzt: „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Nun, aber von Mitte ist in den Leitsprüchen keine Rede, vielmehr geht es um die Abschaffung von Hegemonie und Hierarchie, um die freie Entfaltung des Individuums und um die Respektierung des Anderen als Gleichen. Im Grunde kennt die demokratische Gesellschaft keine Mitte, höchstens Mehrheiten.

(Robert Sorg)

Galerie Kunsthof Jena

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Bemerkungen zur Ausstellung

Wer ist die Mitte? Auf die Auskunft dieser, wie auch auf diejenige des Außens kann man sich für eine Begriffsbestimmung nicht verlassen, so die Vermutung der Künstler Uwe Möller und Tobias Herrmann. Die Ausstellung stellt eine Debatte zwischen den Künstlern dar, in der sie unterschiedliche Thesen zur Frage formulieren, was die Mitte der Gesellschaft ist. Das begriffliche Problem welches der Begriff der Mitte beinhaltet – wer definiert sie, von wo aus kann die Mitte beschrieben werden – bearbeiten Herrmann und Möller durch die Konfrontation des Begriffs mit konkreten gesellschaftlichen Phänomenen, historischen Ereignissen und Personen die die Mitte darzustellen scheinen. Dabei – so ein erster Eckpunkt der künstlerischen Begriffsbetrachtung – scheint die Mitte eine durchaus heterogene Ansammlung von Lebensformen darzustellen, deren relativ lose Grundlage die gemeinsame Festlegung auf allgemeine Ziele, einen rechtlichen Rahmen, Verhaltensregeln und Moralitäten darstellt. Darin ermöglicht die Mitte ein erhebliches Maß an Divergenz.

Die heterogene Mitte in ihrer Abgrenzung zum Außen scheint nicht allein in einer Draufsicht greifbar zu werden. An diese weitere Herausforderung der Definition knüpfen Möller und Herrmann an. Die Ausstellung arbeitet sich damit an dem Spannungsfeld ab, welches zwischen dem praktischen Herausfallen aus der gesellschaftlichen Mitte und ihrer Selbstbeschreibung sowie ihren damit verbundenen Vorstellungen vom Außen besteht. Was die Mitte für ihr Außen hält, scheint zuweilen ihr Innen zu sein. Der strategischen Verwendung des Begriffs zu entgegnen und somit eine kritische Analyse der „Mitte“ scheint auf eine phänomenbezogene Diskussion angewiesen zu sein. Diese führen Uwe Möller und Tobias Herrmann in der Ausstellung „Von Schutz- und Aufwachräumen“ und bearbeiten damit die Wechselwirkung zwischen der praktischen Herstellung der „Mitte“ und der sprachlichen Nutzung und Repräsentation des Begriffs.

Uwe Möller ist in Plauen geboren, lebt und arbeitet in Leipzig. In seinen Projekten arbeitet Möller mit Fotographie, Plastik, Malerei und Installation. Visuelles verbindet Möller häufig mit Musik. Eine digitale Werkschau bietet er auf seine Homepage an: http://www.moellermitoe.de/arbeiten/index.htm

Tobias Herrmann ist in Eisenach geboren, hat an der Bauhaus Universität Weimar studiert und fertigt vor allem Skulpturen und Malereien. Auch für Tobias Herrmann stellt die Verbindung zur Musik eine wichtige Dimension seiner künstlerischen Arbeit dar. Eine kleine Werkschau bietet der Kunstverein Eisenach:  http://www.kunstverein-eisenach.de/?page_id=32

 

(Gisela Wiebke Mackenroth)

 

Mitte der Gesellschaft - Teil I

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