Schöne Frauen | Silvio Ukat. Arme Tiere | Kl. Langmann

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Zeitraum: 
24.04.2015 - 22.05.2015

Am Freitag, 24.04.2015, präsentiert die Galerie Kunsthof Jena mit der Doppelausstellung „Schöne Frauen. Arme Tiere.“ der Künstler Kl. Langmann und Silvio Ukat die zweite Folge der Austellungsreihe „Mitte der Gesellschaft“. Zur Vernissage wird Agios Fellekanasiou seine griechische Stahlharfe zu  elektronisch generierten Klängen ertönen lassen. Schöne Frauen ...

Galerie Kunsthof Jena 

Schöne Frauen | Silvio Ukat

Frauen sind schön. Das ist ja eigentlich ein sehr simpler und klarer Ausspruch. Zunächst. Aber doch irgendwie uneindeutig; denn welche Kriterien besitzt der Einzelne, um die Schönheit einer Frau zu bemerken und zu bewerten? Hier stellen sich sofort weitere Fragen: Wann ist eine Frau schön? Und was zeichnet die Schönheit einer Frau überhaupt aus? Zählt für einen ersten Eindruck wirklich nur die Oberfläche des weiblichen Wesens?

Einen Raum für diese und weitere Fragen lässt die Ausstellung „Schöne Frauen“ von Silvio Ukat zu. Seine Werke, die uns hier gezeigt werden, sind Ganzkörperskulpturen und Porträts von Frauen mit ganz unterschiedlichen und interessanten äußeren Merkmalen, die dem Betrachter sogleich auffallen werden.

Die Materialien, die der studierte Holzbildner Silvio Ukat aus Glauchau für diese Gebilde verwendet hat, bestehen vorwiegend aus Holz und harten Materialien wie Knochen und sind in ihrem finalen Zustand dreidimensionale, von allen Seiten zu betrachtende Objekte.

In diesem Materialiengebrauch lassen sich bereits erste Ambivalenzen zwischen dem Ausstellungsnamen und des von Ukat verwendeten „unschönen“ Materials ausmachen. Der Begriff der „Ästhetik des Unansehnlichen“ wird hier zum eigentlichen Gegenstand und wird in dieser Ausstellung anhand Ukats Holzskulpturen neu entdeckt.

Denn während das offensichtlich Schöne leicht zu durchdringen und anzunehmen ist, müssen die hier ausgestellten Exemplare eine tiefere Betrachtung finden, um deren Schönheit in ihrer Unvollkommenheit zu entdecken. Das Thema von essentieller und individueller weiblicher Schönheit findet anhand dieser Werke eine Verlebendigung und lässt uns unsere geistige, oft voreingenommene Haltung demgegenüber überdenken.
(Jasmin Friese)

Silvio Ukat, Bildhauer aus Glauchau, fertigt Holzskulpturen, in denen er sich mit der Darstellung menschlicher Charaktere und deren Zusammentreffen beschäftigt. Der Einzelne und seine Beziehung zur Gemeinschaft stellen hierbei ein zentrales Thema der Skulpturen dar. Diese Frage wird in Bezug auf die Thematik der Schönheit in der Ausstellung vertieft werden.

Arme Tiere | Kl. Langmann

Arme Tiere. Kl. Langmann formuliert mit dem Titel seiner Werkreihe keine Aufforderung zum Mitgefühl, er formuliert eine Anklage. Eine Anklage dessen, was in der Mitte der Gesellschaft alltäglich ist und über das doch gerne geschwiegen wird: Unser Umgang mit Nutztieren. So formt der Künstler einen Scheiterhaufen aus Hähnen, schablonenartig auf die nüchtern graue Leinwand gesetzt. Die Hähne sehen alle gleich aus, werden durch die Schablonenform vom Subjekt zum Objekt herabgesetzt, sie sind leer und erhalten ihre Form nur durch die Rahmung der umliegenden Farbe. In ihrer Masse sind die farblosen,  vermeintlich wertlosen Hähne übereinandergeworfen, rote Farbe umgibt sie, wie Flammen. Mit dieser Darstellung spricht Kl. Langmann ein Thema an, das aktueller denn je erscheint, denkt man an die brutale Tötung von männlichen Küken in der Hühnermast, die Tierschützer immer stärker anprangern und im Bewusstsein der Konsumenten verankern.

Der Künstler Langmann verleiht seinen Bildern etwas Brutales und Schonungsloses. Er arbeitet mit unterschiedlichen Techniken, zeichnet, malt, sprayt und schichtet übereinander, auf eine dynamische und expressive Art. Dadurch sind seine Werke belebt und unruhig, das Auge entdeckt immer wieder Neues und sein Blick wird oftmals in einem Rahmen gehalten, der das scheinbar Wesentliche in sich konzentriert. Diese farbliche Umrandung, die oft in Langmanns Werken zu finden ist, existiert in unterschiedlicher Weise. Mal umgibt sie die Szene wie ein Ruhepol, der die Figuren zusammenhält, mal wirkt er einschränkend im Sinne einer unüberwindbaren Grenze.

Die Werkreihe Arme Tiere vermittelt die Thematik der Massentierhaltung eindeutig und konkret, präsentiert sich dem Betrachter gegenüber aber dennoch nicht als geschlossene Einheit. Im Gegenteil, Klaus Langmann zeigt vielseitige Werke, die ausgesprochen offen für die Gedanken und Interpretationen des Betrachters sind.
(Hanna Altermann)

Kl. Langmann prägt seit langem das Thüringer Kunst- und Kulturschaffen, indem er neben seiner künstlerischen Arbeit unter anderem die Saalgalerie in Tröbnitz und das Kunsthaus Stadtroda initiiert und kuratiert hat. Auf diesem Wege hat er bereits verschiedene Zusammenarbeiten regionaler Künstler angeregt. Kl. Langmann war bereits mit der Ausstellung "Karte und Gebiet" 2014 gemeinsam mit Maria Grafft in der Galerie zu Gast. (http://www.kunsthof-jena.de/galerie/ausstellungen/karte-gebiet-kl-langma...) Klaus Langmann und Silvio Ukat haben bereits im Rahmen einiger Bildhauer-Symposien zusammengearbeitet.

Galerie Kunsthof Jena

Zur Ausstellungsreihe - Mitte der Gesellschaft

Die Mitte ist ein beliebter Ort. Ob in Religion, Politik oder Stadtkultur. Wer einen Platz in der Mitte einnehmen kann, der hat einen Standortvorteil. In der Mitte treffen sich die Menschenmassen und Geldmengen. Die Mitte ist sozusagen die Sonnenseite der Gesellschaft. Fernab von ihr, in den Peripherien, Outskirts und Trabantenstädten geht es schon düsterer zu. Dort drohen Radikalisierung, soziale Benachteiligung und seelische Verarmung. Doch strebt alles zur Mitte hin? Nein, mitnichten. Parallelgesellschaften gründen sich in den schattigen Gebieten, autonome Gebiete, die mit dem Gesellschaftsvertrag brechen wollen, so künden zumindest die Stereotypen. Doch was macht den Gesellschaftsvertrag aus? Da stehen die drei Leitworte der französischen Revolution noch immer als Leitmotiv der demokratischen Gesellschaft „Liberté, Egalité, Fraternité“, ins Deutsche, mit leichten Änderungen versehen, übersetzt: „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Nun, aber von Mitte ist in den Leitsprüchen keine Rede, vielmehr geht es um die Abschaffung von Hegemonie und Hierarchie, um die freie Entfaltung des Individuums und um die Respektierung des Anderen als Gleichen. Im Grunde kennt die demokratische Gesellschaft keine Mitte, höchstens Mehrheiten.
(Robert Sorg)

 

Mit freundlicher Unterstützung von:

jenakultur, Volksbank Saaletal eG, Zeiss AG, Stadtwerke Jena-Pößneck und möglicherweise der Thüringer Staatskanzlei, falls die Haushaltssperre entriegelt wird.

 

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